vom Geschichtenerzählen
Laciparle
Herbst und Winter bieten immer die großartige Möglichkeit sich drinnen einzumummeln und Bücher zu lesen, finde ich. Mir fiel grade rechtzeitig die Tintenwelttrilogie von Cornelia Funke in die Hände. Ein Kinder- und Jugendbuch, aber das hindert mich nicht daran, mich in die Seiten zu vertiefen und bald mit Meggie und Mo auf der Suche nach einen Buch durch die italienische Landschaft zu laufen.Tintenherz (so heißt das erste Buch) fesselt mich total. Mo, der Buchrestaurator sucht mit seiner Tochter Meggie nach dem Buch Tintenherz (!), aus dem er einen schrecklichen Gauner herrausgelesen hat und in das seine Frau und Meggies Mutter vor neun Jahren hineingelesen wurde.
Neben der eigentlichen Geschichte erfährt der Leser viel über die Einstellung der Charaktere zu den Büchern. Das diese wertvolle Schätze sind, andere Welten, in die man abtauchen kann, lebendige Buchstaben, die verschiedenste Wesen und Welten enthalten. Das kommt mir Bücherwurm ja sehr entgegen.
Auch das Geschichtenerzählen bekommt einen besonderen Stellenwert. Von den Geschichten, die erzählt werden ist die Rede, und von denen, die gelebt werden, in dieser oder einer anderen Welt. Doch eine Frage konnte mir das Buch bisher nicht beantworten: was ist mit Geschichten, die nicht zu Ende erzählt werden. Was geschieht mit den Charakteren, was mit der Welt, die durch die Geschichte geschaffen wurde? Wo geht sie hin, wo bleiben die Menschen in ihr, was geschieht mit den leren Seiten, die es zu beschreiben galt?
Ein Buch wird immer dicker beim Lesen, weil wir die Geschichten, die wir damit erleben mit hineinpacken. Erinnert doch ein Buch an die Reise, auf der wir es gelesen haben, ein anderes an den Schnupfen, den wir hatten, als wir es geschenkt bekamen, ein drittes an einen Menschen, dem wir es geschenkt haben. Wir füllen das Buch also mit unserer eigenen Geschichte. Würde ein Buch, das ich lese, einfach mittendrin aufören, und viele leere Seiten folgen, ich würde es iritiert weg legen – aber nicht ohne immer wieder hineinzuspicken, ob nicht auf wunderbare Weise Zeilen dazugekommen wären. Weil gute Geschichten nicht mitten drin aufhören.
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